Grundlagen
Was ist ein WDVS? Aufbau und gängige Dämmstoffe erklärt
Aufbau, Schichten und die gängigen Dämmstoffe eines Wärmedämmverbundsystems im Überblick.
Ein Wärmedämmverbundsystem, kurz WDVS, ist eine der am weitesten verbreiteten Methoden, um die Außenwände eines Gebäudes energetisch zu ertüchtigen. Der Name beschreibt bereits das Prinzip: Mehrere Schichten – Dämmstoff, Armierung und Putz – werden fest miteinander zu einem System verbunden und auf die bestehende Fassade aufgebracht.
Der grundsätzliche Aufbau
Ein klassisches WDVS besteht im Kern aus drei Schichten. Zuerst wird der Dämmstoff auf den vorbereiteten Untergrund geklebt und zusätzlich mechanisch mit Dübeln befestigt. Darauf folgt die Armierungsschicht: eine Putzlage, in die ein Gewebe – meist aus Glasfaser – eingebettet wird, um Risse zu vermeiden und die Oberfläche stabil zu halten. Den Abschluss bildet der Oberputz, der zugleich die sichtbare Fassadenoptik und den Witterungsschutz übernimmt.
Gängige Dämmstoffe: EPS und Mineralwolle
Am häufigsten kommen zwei Dämmstoffarten zum Einsatz. Expandiertes Polystyrol (EPS), umgangssprachlich Styropor, ist ein leichter, geschäumter Kunststoff mit guten Dämmeigenschaften und ist der in Deutschland am weitesten verbreitete Dämmstoff für WDVS. Mineralwolle – Stein- oder Glaswolle – ist demgegenüber nicht brennbar und wird deshalb häufig dort eingesetzt, wo besondere Brandschutzanforderungen gelten, etwa bei höheren Gebäuden. Beide Dämmstoffe werden in der Regel als vorgefertigte Platten geliefert und auf der Baustelle zugeschnitten.
Typische Schichtstärken
Je nach gewünschtem Dämmstandard und Gebäudetyp liegen die Plattenstärken bei klassischen WDVS-Systemen üblicherweise im Bereich von etwa 15 bis 20 cm. Diese Größenordnung erklärt auch, warum bei einer nachträglichen Dämmung Fensterlaibungen, Dachüberstände und andere Anschlussdetails mit angepasst werden müssen – die Fassade wird durch das System spürbar dicker.
Ablauf einer WDVS-Montage
Der Arbeitsablauf folgt in der Praxis meist derselben Reihenfolge:
- Gerüst aufbauen
- Untergrund prüfen und gegebenenfalls vorbereiten
- Dämmplatten kleben und dübeln
- Armierungsgewebe einbetten
- Trocknen lassen
- Oberputz auftragen und erneut trocknen lassen
Wie lange die einzelnen Trocknungsphasen dauern, hängt stark von Witterung, Temperatur und Luftfeuchtigkeit ab.
Wo WDVS eingesetzt werden
WDVS kommen sowohl bei Neubauten als auch bei der energetischen Sanierung von Bestandsgebäuden zum Einsatz. Bei Bestandsbauten ist das System besonders verbreitet, weil es sich von außen auf die vorhandene Fassade aufbringen lässt, ohne dass Bewohner während der Bauzeit ausziehen müssen.
Instandhaltung und Lebensdauer
Wie jedes Fassadensystem benötigt auch ein WDVS über die Jahre Pflege: Der Oberputz kann verschmutzen, algenbewachsen oder rissig werden und muss dann gereinigt oder erneuert werden. Allgemein gilt ein fachgerecht ausgeführtes WDVS als langlebiges System, konkrete Lebensdauer- oder Wartungsintervalle hängen aber stark von Ausführung, Material und Standort ab und werden hier nicht mit festen Zahlen beziffert, da dafür keine seriöse, allgemeingültige Quelle vorliegt.
Warum überhaupt gedämmt wird: die bauphysikalische Idee
Der bauphysikalische Grundgedanke hinter jedem WDVS ist relativ einfach: Eine ungedämmte Außenwand lässt im Winter Wärme von innen nach außen entweichen und kühlt an der Innenseite spürbar aus, was zu höherem Heizbedarf und im ungünstigen Fall zu Kondensation an kalten Wandoberflächen führen kann. Eine zusätzliche Dämmschicht auf der Außenseite verschiebt die kalte Zone nach außen und hält die tragende Wand dahinter wärmer und trockener. Dieses Prinzip gilt unabhängig davon, ob als Dämmstoff eine Platte oder eine andere Materialform verwendet wird, und ist die Grundlage, auf der auch das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG, vormals Gebäudeenergiegesetz/GEG) energetische Mindestanforderungen an Bauteile formuliert.
Genehmigung und rechtlicher Rahmen
Ob und in welchem Umfang ein WDVS an einem konkreten Gebäude zulässig ist, hängt unter anderem vom Bebauungsplan, von möglichen Abstandsflächen-Regelungen und – bei erhaltenswerten oder denkmalgeschützten Fassaden – vom Denkmalschutzrecht ab. Bei Gebäuden ohne besondere Auflagen ist die energetische Sanierung der Außenwand mit einem WDVS in Deutschland ein etabliertes, bauordnungsrechtlich eingespieltes Verfahren; Details sollten im Einzelfall mit der zuständigen Bauaufsicht oder einem Energieberater geklärt werden, da diese Seite dafür keine Rechtsberatung ersetzt.
Alternative Systeme
Neben dem klassischen, mehrschichtigen WDVS gibt es inzwischen auch andere Ansätze zur Fassadendämmung, etwa dünnschichtige Beschichtungssysteme, die mit deutlich geringerer Materialstärke arbeiten.
Anzeige in eigener Sache: Zu den Anbietern solcher dünnschichtiger Systeme zählt PSCoat, ein Produkt der Zurynski, Oezdogan & Co GmbH – derselben Gesellschaft, die diese Seite betreibt. Der Hersteller beschreibt PSCoat als nanotechnologiebasierte Dünnschicht-Beschichtung für Gebäudehüllen, Dächer und technische Anlagen, aufgetragen mit einer Schichtstärke von wenigen Millimetern (laut technischem Datenblatt: 1–3 mm) statt der bei WDVS üblichen zweistelligen Zentimeterwerte. Diese Schichtstärke steht so im technischen Datenblatt des Anbieters. Näheres zum Produkt liefert die Website des Anbieters PowerSmartCoat.
Quellen und Belege
- Aufbau, Schichten und Materialien eines klassischen WDVS: allgemein anerkannter Stand der Bautechnik (Herstellerinformationen, Fachliteratur zum Wärmedämmverbundsystem).
- Bezug zum Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG, vormals GEG): gesetzliche Grundlage, Quelle gesetze-im-internet.de.
- Angabe zur Schichtstärke von PSCoat: so im technischen Datenblatt des Anbieters PowerSmartCoat.
- Aussagen zu Genehmigungspflicht und Denkmalschutz: allgemeiner rechtlicher Rahmen, ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.
Das könnte Sie auch interessieren